Corps Suevia Freiburg

Geschichte

 

Europa 1815.
Auf dem Wiener Kongress wird die Rekonstitution des alten Europas besiegelt: Eine Niederlage für all diejenigen, die an einen politischen Aufbruch glaubten - Vor dieser geschichtlichen Kulisse steht die Zusammenkunft von dreizehn Freiburger Stundenten am 21. Juni 1815. Sie stifteten in dieser Nacht im Gasthaus "Stadt Wien" das Corps Suevia als eine Gemeinschaft "freiheits- und ehrliebender" Studenten der Freiburger Albert-Ludwig-Universität.

 

Seitdem hat unsere Gemeinschaft in ihrer Geschichte viel Licht und viel Schatten gesehen: von den Wirren der Märzrevolution 1848 - in deren Folge sich etliche Corpsbrüder nach Amerika, von der badischen Justiz verfolgt, absetzten - über die Zeit der Reichsgründung, in der - auch eine Freiburger Besonderheit - am Ort nicht gerade die kaisertreuesten Studenten studierten, da diese das elsässische Strassburg bevorzugten.

 

Hell und Dunkel gab es vor allem im 20. Jahrhundert mit seinen beiden großen Kriegen.

 

 

In der Zeit des Nationalsozialismus, in der Suevia zwar an die

Grenzen des Machbaren ging, um seine corpsstudentische Individualität zu wahren - aber eben auch nicht weiter, und

unter dem Druck der Machthaber seinen jüdischen Mitglieder den Austritt erklärte. Eine bittere Pille, die um des Erhalts eines heimlichen, geduldeten Corpsbetriebs wegen nicht hätte geschluckt werden dürfen. In der Nachkriegszeit 1949 erfolgte dann die Rekonstitution verbunden mit der Wiederaufnahme der jüdischen Corpsbrüder. Seitdem besteht bei uns auf dem Schwabenhaus ein ununterbrochener Aktivenbetrieb bis zum heutigen Tage.

 

 

In chronologischer Reihenfolge:

 

1815 Stiftung des Corps am 21. Juni durch Nicolaus Jaeger. Insgesamt 13 Gründer, davon acht Studenten der katholischen Theologie, zwei Mediziner, zwei Juristen und ein Architekt
1820 Karlsbader Beschlüsse durch den Fürsten Metternich. Verbote gegen Korporationen aller Art.
1829 Anerkennung des Corpsverbandes durch die Universität.
1837 Erstmaliges Tragen von gelben Mützen. Vorher trug man Schwarze.
1844 Suspendierung der Suevia aufgrund nachlassender Studentenzahlen und dem Mensurverbot der katholischen Kirche für Studenten der katholischen Theologie.
1847 Rekonstitution durch den Heidelberger Schwaben Albert Daur und den Tübinger Franken Josef Musch. Farben zunächst Blau-Weiß-Gelb.
1847 Änderung des Original-Wappens.
1848/49 Badische Revolution mit Inhaftierung oder Flucht in die Schweiz, USA, oder nach Frankreich von 18 Corpsbrüdern.
1850 Suevia einziges Corps in Freiburg, daher wurden Mensuren untereinander ausgetragen.
1866 Beginn der Corpshatz mit der Auflösung verschiedener Verhältnisse.
1870/71 Ende der Corpshatz durch Beginn des Deutsch-Französischen Krieges.
1876 Suspension, hervorgerufen durch Studentenmangel aufgrund der Abwanderung an die Universität in Straßburg.
1876 Rekonstitution der Suevia durch Inaktive unter der Führung des Frhr. von Krafft-Ebing.
1888/89 Erwerb und Umbau des Hauses des Malers Lugo, welches als Corpshaus in der Lessingstrasse 14 zur Verfügung gestellt wurde.
1909 Grundsteinlegung des neuen Corpshauses nach Plänen von Prof. Billing, Karlsruhe.
1910 Übergabe des Hauses an die Aktiven anlässlich des 95. Stiftungsfestes.
1914 Ausbruch des ersten Weltkrieges, der Corpsbetrieb ruht für viereinhalb Jahre.
1919 Wiedereröffnung des Aktivenbetriebes.
1930 Suevia präsidierend beim Kösener Kongress.
1934 Debatte über Auflösung des Corps aufgrund Auflagen seitens der Nationalsozialisten. Entscheidung zum "Weitermachen" verbunden mit dem Zwangsaustritt der jüdischen Corpsbrüder.
1936 Verbot „jeglicher studentischer Korporationen alten Stils“. Auflösung der Suevia.
1937 Einzug einer SS-Einheit in das Corpshaus.
bis 1944 Verdeckte Tätigkeit des Corpslebens unter den Kameradschaftsnamen: „V (Eickhorn)“, „Schwabenland“, „Siegfried Krüger“ und später dann auch „Lessingstrasse 14“.
1944 Suspendierung der Kameradschaft.
1949 Rekonstitution der Suevia. Bandrückgabe und Wiederaufnahme der verbliebenen jüdischen Mitglieder.
1950 Wiederaufnahme des Paukbetriebes.
Benutzung des Corpshauses ist nur eingeschränkt möglich, da Teile des Hauses an die Oberpostdirektion, den ADAC und die Riegeler Brauerei für eine Gastwirtschaft vermietet sind.
1982/83 Wende der Corpskrise und Konsolidierung durch Unterstützung von Inaktiven der Hasso-Nassovia und Hubertia Freiburg.
2000 Umfangreiche Sanierungen des Corpshauses.